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DEMAS (Demenz anders sehen) – Erfahrungsbericht über ein nützliches E-Learning Projekt

von | Feb 22, 2016 | Demenzbetreuung, Hilfenetzwerk, Pflege allgemein, Prävention, TV-Tipp

Welchen Nutzen kann Ihnen ein internetbasiertes E-Learning Angebot zum Themenspektrum Demenz liefern?

Zur Beurteilung dieser Frage möchte ich Ihnen nachfolgend eine Hilfestellung geben. Diese basiert auf meinen Erfahrungen mit einem internetbasierten Schulungsprogramm für Angehörige von an Demenz erkrankten Partnern oder Eltern.

Im Herbst 2013 hatte ich von dem DEMAS-Projekt erstmalig im Netz erfahren. In meiner damaligen Situation als Unterstützer der immer intensiver werdenden Pflegesituation bei meinen Eltern war ich auf der Suche nach Hilfsangeboten.

Ende November bewarb ich mich mit der Beschreibung meiner familiären Situation und erhielt ein paar Wochen später die Zusage und eine Liste mit 10 Terminen von Mitte Januar bis Ende März 2014.

Ziele, Form und Ablauf der DEMAS E-Learning Schulung

DEMAS“ steht für „DEMenz Anders Sehen“ und war ein virtuelles Schulungsprogramm, das von psychologischen Fachkräften der Hochschule Magdeburg-Stendal durchgeführt wurde.

Mit dem Programm wurde das Ziel verfolgt, den Pflegealltag von Angehörigen zu verbessern und sie bei der Bewältigung ihrer psychischen Belastungen zu unterstützen.

An den 10 Montagsterminen traf ich mich mit 4 anderen Angehörigen in einem virtuellen Gesprächsraum, den wir über die Internetseite www.demenz-anders-sehen.de mittels Webcam und Headset (Kopfhörer-Mikrofon-Einheit) besuchten. Die Teilnehmergruppe bestand aus 3 direkt betreuenden Partnern (Erstpfleger) und zwei Kindern in der Rolle des Unterstützers.

Die ca. 90 minütigen Treffen wurden von der Rehabilitationspsychologin Eva Fürst moderiert. Im Anschluss hatten wir Angehörigen aber die Möglichkeit, den Videochat zur Fortführung unserer Gespräche und zum Austausch von Erfahrungen und Tipps zu nutzen.

Neben der direkten Kommunikation stand uns noch umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung. Dies war zum Selbststudium gedacht, um die alltäglichen Pflege- und Betreuungsaufgaben zu erleichtern und die Verhaltensweisen Ihres demenzerkrankten Angehörigen besser zu verstehen.

Die Infopakete umfassten folgende Bereiche:

  • Vorstellung des Krankheitsbildes
  • Therapie, Beschäftigung und alltagspraktische Hinweise
  • Kommunikation und Umgang mit Demenzerkrankten
  • Stressbewältigung für pflegende Angehörige
  • Demenzformen und ihre Spezifika
  • Rechtliche Aspekte in der Betreuung Demenzerkrankter
  • Leistungen der Pflegeversicherung

Diese Infopakete wurden um Arbeitsblätter zum Thema „Stressabbau“ ergänzt:

  • Acht Regeln des Genießens
  • Stress-Checkliste
  • Meine persönlichen Stressverstärker
  • Stressreflektion
  • Mein soziales Netz

ZDF: „Demenz – erste internetbasierte Beratung für Angehörige“

Um Ihnen einen direkten Einblick in dieses Programm zu ermöglichen, schauen Sie sich doch das nachfolgende Video an. Das ZDF hatte 2014 einen Beitrag über unsere Gruppe gedreht und damit das DEMAS-Programm bundesweit vorgestellt.

Mein Fazit, damit Sie den Nutzen für sich einschätzen können

Zusammenfassend ist mein Fazit sehr positiv. Beruflich hatte ich mich schon öfters mit der Entwicklung und Durchführung von Schulungsprogrammen beschäftigt. Eines meiner letzten Beratungsprojekte war die technische Konzeption und Projektbegleitung eines ähnlichen, videobasierten Coaching-Programms für Führungskräfte im Einzelcoaching. Insofern war ich im Umgang bei der E-Learning Technik (positiv) vorbelastet.

Die organisatorische Vorbereitung und Betreuung durch den Delphi-Projektleiter Benjamin Jonas war sehr professionell. Gleiches gilt für die Beraterin, die uns während der 10 Wochen geschult hat und für Fragen und Diskussionen zur Verfügung stand.

Der Umgang mit den anderen Angehörigen war sehr respektvoll und angenehm. Durch den „privaten“ Zugang über die Videoaufnahme bekam ich teilweise einen direkten Einblick in das familiäre Umfeld (wenn die Partner der Teilnehmer sich z.B. dafür interessierten, womit sie sich gerade beschäftigten und mit in die Kamera schauten).

Ich empfand das emotional bereichernd.

In einer Selbsthilfegruppe von Angehörigen, die ich gelegentlich mit meiner Mutter an ihrem Wohnort besuchte, fehlte eine solche Komponente.

Vorteile des DEMAS E-Learning Programms

  • Ortsunabhängigkeit – War für mich sehr wichtig. Ich konnte die Schulungen von zuhause, bei meinen Eltern oder in einer anderen Stadt per Laptop/Mac-Book wahrnehmen.
  • Kurze Termine – Für die angedachten Schulungsinhalte, inklusive eine einfühlsamen Einleitung und eines motivierenden Ausklangs war in den 90 Minuten immer ausreichend Zeit.
  • Kein fixes Ende – Wenn die Teilnehmer wollten, stand der Video-Chatraum den ganzen Abend zur Verfügung. So ergaben sich in den 10 Wochen einige interessante und anregende Gesprächsrunden, die ich nicht missen möchte.
  • Zeiteffiziens – Keine Anreise, kein Parkplatzsuchen am Veranstaltungsort, keine Heimreise, keine Parkplatzsuche gegen 22.00 Uhr in der eigenen Wohnstraße (wer in der Innenstadt wohnt, kennt diese Herausforderung sicherlich;-). Laptop zuklappen oder Rechner ausschalten, und das war’s.
  • Konzentrierter und fokussierter Wissenstransfer – Die kompakten Moduleinheiten über 90 Minuten mit angemessenem Inhaltsumfang empfand ich sehr zielführend. Im Gegensatz zu Präsenzseminaren, an denen in z.B. zwei Tagen von A wie Alzheimer bis Z wie Zugangsrituale das komplette Spektrum „abgearbeitet“ werden muss, waren die Informationseinheiten sehr gut zu verdauen.
  • Zugriff Wissensdatenbank – Die strukturierte Verfügbarkeit der vertiefenden Informationen und Arbeitshilfen an einem zentralen Ort, hat mir bis heute immer wieder geholfen
  • Gedanken- und Erfahrungsaustausch – Die relativ kleine Gruppe von 5 Angehörigen ermöglichte es jedem Teilnehmer sich mit seinen Themen und Sorgen einzubringen.

Optimierungspotential des DEMAS E-Learning Programms

  • Mangelnde Differenzierung der Zielgruppenbedürfnisse – So positiv ich den Austausch mit anderen Angehörigen empfand, die als Partner die Rolle des Erstpflegers wahrgenommen hatten, so sehr fehlte die Berücksichtigung der Interessen, die Kinder als Unterstützer im Pflege- und Betreuungsprozess wahrnehmen können

Modellprojekte zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung

Entstanden ist „Demas – Demenz anders sehen“ 2013 als Gemeinschaftsprojekt des Flechtwerks Demenz, das von Prof. Dr. Claudia Wendel geleitet wird, und der Delphi-Gesellschaft unter der Leitung von Dr. Peter Tossmann. Delphi übernahm dabei vor allem den technischen Support und die Studienbegleitung.

Das Projekt wurde im Rahmen der Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung nach § 8 Abs. 3 SGB XI vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen gefördert.

Der GKV-Spitzenverband stellt für solche Projekte jährlich bis zu 5 Mio. Euro zur Verfügung. Ziel der Förderung ist es, die Versorgungsstrukturen und -konzepte der Pflegeversicherung im Hinblick auf neue Versorgungsformen für Pflegebedürftige weiter zu entwickeln, zukunftsweisende und qualitätsgesicherte Versorgungsansätze zu unterstützen und vorhandene Pflegeangebote zu modernisieren.

Wie geht es mit dem DEMAS-Projekt weiter?

Wie alle Projekte, die im Rahmen der Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung eine Förderung erhielten, wurde auch das DEMAS Schulungsprogramm durch ein langfristige Studie wissenschaftlich begleitet und hinsichtlich des Nutzens überprüft.

Das duale Projekt-Ziel war: die Pflegekompetenz der teilnehmenden Angehörigen zu erweitern und deren gefühlte Pflegebelastungen zu reduzieren. Ob dies Ziel erreicht wurde, ist noch nicht klar.

Die Datenerfassung bei den letzten Teilnehmergruppen erfolgt noch bis Ende März 2016. Eine Auswertung des Projektes und ein abschließender Projektbericht werden voraussichtlich Ende April / Anfang Mai veröffentlicht.

Ich werde Sie über die Ergebnisse informieren.

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